Jetzt war ich schon einige Male auf dem Campus Jahrhunderthalle, bei Terminen zur Besichtigung, zur Planung, zur Anmietung und immer wieder packt mich dieser Industrielook. Man kommt an der vorderen Ecke der Werkhalle Nord, eines immerhin über 100m langen, aber nur knapp 12m breiten Riegels, rein und vor dem Auge erstreckt sich die Halle mit ihren hohen Decken. Auf der linken Seite gusseiserne Sprossenfenster, auf der rechten Seite auf halber Höhe ein Zwischengeschoss, über das man mit Blick auf die Halle unten entlang wandeln kann. Das Licht fällt steil ein, in den dunklen Korridor. Ein bisschen wie bei einer romanischen Kirche.

Die Decke überspannt die gesamte Breite des Gebäudes, außer der beiden Aufzugskerne steht nichts in dieser Halle, keine einzige trennende Wand, keine Unterteilung. Die idealen Ausgangsbedingungen, um sich beim Innenausbau auszutoben. Was könnte man hier nicht alles reinpacken? Ganz auf Effizienz getrimmt, lange Gänge und ein Büro hinter dem anderen. Oder eher total luftig  modern, mit Raum-in-Raum-Elementen, mit Blickachsen über die gesamte Länge dieses alten Industriekomplexes? Uns stehen so viele Möglichkeiten offen.

Egal, wofür man sich entscheidet, hier scheint so einiges möglich. Besonders gut gefällt mir, dass wir mit diesem Projekt ein Stück weit an die europäische Industriegeschichte anknüpfen: Zur Gründerzeit – Ende des 19. Jahrhunderts – entstand hier die Werkhalle des Elektrotechnik-Konzerns Garbe, Lahmeyer & Co. Und jetzt wollen wir hier einen Co-working Space mit einer Werkstatthalle für Prototyping Projekte erschaffen. Für die nächsten großen technischen Unternehmensgründungen über hundert Jahre später. Auch die RWTH selbst ist eng mit dieser Gründerzeit verknüpft, wurde zu dieser Zeit gegründet. Um Aachen als Industriestandort gegenüber dem aufstrebenden Ruhrgebiet einen Standortvorteil zu verschaffen, wie uns der Rektor, Prof. Ulrich Rüdiger, im Interview erzählte.

Ein Highlight ist das Dach, von dem aus man das umliegende Industriegelände und darüber hinaus weite Teile der Stadt sehen kann. Eine Dachterasse wäre wirklich traumhaft. In direkter Umgebung zur Werkhalle Nord liegt die noch viel größere Jahrhunderthalle und dahinter die Werkhalle Süd. Zur Straße hin soll es im Alten Schmiedehaus später gastronomische Angebote geben. Stellt sich die Frage, was wir aus dem ganzen Areal machen. Urban Gardening und Mikromobilität, das könnte ich mir richtig gut vorstellen. Industrielle Revolution meets Pariser Klimaabkommen. Irgendwo dazwischen könnte unsere neue Identität für das Gebäude liegen. Etwas Neues, Unverwechselbares wäre cool.

Dieser Artikel wurde von David verfasst. Wenn Du Fragen hast oder deine Eindrücke mit uns teilen willst, schreib uns gerne an community@collective-incubator.de

 

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